ETC on Tour 2012 Düsseldorf reloaded

 

IIch wünschte jeder wär´ ein Düsseldorfer

und überall wär´s wir hier

dann gestehen uns alle Kölner:

"Wir wollten immer so sein wie ihr!"

 

 

Und wieder war es die DFL, die all unsere detaillierten Planungen zunichte machte. Leverkusen gegen Düsseldorf war die auserkorene Paarung mit anschließender Übernachtung in der Düsseldorfer Altstadt. Schließlich hatten wir beim ersten Mal noch nicht alles erlebt. Aber ist das nicht immer so beim allerersten Mal? Die fanunfreundliche Unsitte, die Spieltage erst kurz vorher genau zu terminieren machte uns also auch hier einen Strich durch die Rechnung. Doch das angestzte Datum war fix und auch der Ort sollte nicht mehr geändert werden. Zum Glück ist Düsseldorf eine Eishockey-Hochburg und die DEL terminiert ihre Spiele schon weit im Vorfeld exakt. Also arrangierten wir uns auf den Kracher Düsseldorfer EG gegen die Eisbären aus Berlin am Sonntagnachmittag.

Doch eine ETC on Tour ohne Fussball ließ einen Großteil der Experten kalt, was wohl nicht nur an den zu erwartenden Temparaturen im Ice-Dome lag. So traten wir mit der minimalistischen Teilnehmerzahl von 7 zum kleinsten Vereinsausflug aller Zeiten an.

Nach dem obligatorischen Startfoto saßen wir pünktlich um 9.28 Uhr im Rheinland-Express nach Düsseldorf. In zwei Viergsitzgruppen richteten wir uns auf eine gemütliche Fahrt mit den unzähligen aber bereits gewohnten Haltestops ein. Der Proviant bestand wie immer aus frischen Dosenbier und selbst geschmierten Brötchen. Außerdem geb es die bewährten Bierbeißer mit Senf. Auf die leckeren Frikadellen wurde aus geruchstechnischen Gründen verzichtet. Ein weitsichtiger Experte ließ es sich nehem ein kleines Leckerli mit in den Zug zu schmuggeln: Edelster Obstbrand in edelster Verpackung. Ein mit dem ETC-Logo verzierter Flachmann sollte unsere bereits gute Stimmung noch weiter nach vorne katapultieren. Allerdings schmeckte der edele Tropfen dank dem Material des Trinkgefäßes recht blechern.

Punkt halb zwei betraten wir westfälischen Landeshauptstadtboden. Erste Amtshandlung war die Vernichtung der übrig gebliebenen Paderborner Taschenfässer, die mit dem urwüchsigen Geschmack. (Woher hatten wir die eigentlich?) Hurtig stürzten wir das Bier in uns hinein. 

Nach einerm furiosen Straßenrennen unserer beiden Taxi-Helldrivern durch die Düsseldorfer Innenstadt war unsere Unterkunft ruckzuck erreicht. Wieder war in unmittelbaren Nachbarschaft unseres Hotels eine Kneipe angesiedelt. Doch einen Außerhaus-Verkauf mit einer Untoten gabe es hier nicht. In drei Doppel- und einem Einzelzimmer bezogen wir unser Quartier. Das Hotel, welches sich "Gheinblick" nannte, ohne allerdings einen Blick auf den Rhein zu gewähren war schon etwas luxeriöser als unsere vorangegangenen Unterkünfte, doch zum Duschen musste man beispielsweise erst einaml über die davor stehende Toilette turnen.

Aber wir hielten uns nicht lange in unseren euen Domizil auf. Bereits im Vorfeld war der Ablauf des Nachmittages geplant worden. Im britischen Szenelokal "O´Reillys" war ein Tisch mit garantierten Sichtkontakt zur Sky-Bundesliga-Konferenz, viel irischen Bier und gewaltigen Hamburgern bereits von zuhause aus via Internet reserviert worden. Wir mussten nur einmal um die Ecke biegen und schon hatten wir altehrwürdiges Altstadtpflaster unter unseren Füßen. Nach ein paar Metern war das "O´Reillys" erreicht. Der Laden war für drei Uhr nachmittgas beachtlich gefüllt. Aber wir hatten ja reserviert. Eigentlich. Denn die Empfangsdame an der ersten Theke fand keine Buchung vom ETC. Leicht irritiert baten wir den kleinen irischen Rotschopf ihren Fehler noch einmal zu überprüfen. Aber sie schüttelte abermals ihr bleiches Haupt. Doch diesemal hatten wir Glück imPech. Im oberen Geschoss war noch ein Tisch frei und in der Ecke befand sich auch noch ein Fernseher, auf dem die Bundesliga übertragen werden sollte.

In einem Glaskäfig nebenan saßen unverkennbar ein paar echte Engländer. Durch die dichten Rauchschwaden zwar visuell schwer zu orten, aber unüberhörbar wenn ihr Arsenal mal wieder eine Chance versiebte.

Wir bestellten erst einmal zwei Karaffen Bier. Ja, hier gabe es Bier aus Karaffen! Natürlich britishlike mit ohne Schaum. Dazu wurden sieben Gläser gereicht, sogenannte Pints. 0,5683 Liter Inhalt. Das gute an dem Karaffenbier war, wenn es alle war, konnte man sofort neues Karaffenbier ordern. Pünktlich zur Halbzeit bestellte unser Flachmannverschönerer eine ganze Batterie Schnellhärter, unter anderem auch B52. Etwas ganz Übeles. Aber da mussten wir nun durch.

Immer wieder schauten Engländer um die Ecke, guckten erst auf uns, dann auf den Bildschirm, dann wieder auf uns um dann wieder zu gehen. So verlief auch die zweite Halbzeit reibungslos. Einziger Wermutstropfen waren die angekündigten Hamburger, die es gar nicht gab. Wegen Umbauarbeiten in der Küche. So mussten wir den aufkommenden Hunger mit weiteren Karaffen kompensieren.

Als schließlich alles leer getrunken war verließen wir den Pub, endlich raus aus dem britischen Kleinod, raus an die gesunde Düsseldorfsche Rheinluft, denn von unseren englischen Freunden war nieman Fishermans Friend.

Ein paar mal tief durchgeatmet stellte sich dann auch ein Gefühl von Hunger ein. Es war ja schon nach sechs und die versprochenen Burger im O´Reillys fielen ja wegen der erwähnten Küchenrenovierungsauflage aus. Die Straßen der Altstadt an sich waren noch leer.

Was man von den Gaststätten, die entlang der Gasse Essware feilboten, nicht gerade behaupten konnte. Wir schlenderten die berühmt-berüchtigte Bolkerstraße entlang, entdeckten aber kaum einen freien Platz zum Speisen. Bis sich auf einmal eine gewaltige Lücke auftat: Ein argentinisches Steakhaus, welches komischerweise gänzlich ohne Gast war. Eigentlich hätte diese Leerheit Grund genug für etwas Skeptis sein müssen, zumal die Lokale rundherum wirklich allesamt prall besetzt waren. Aber nicht für uns unerschrockenen Experten. Schwuppdiwupp wurde der vorderste Tisch geentert. Trotzdem nahmen wir mit einem unwohlen Gefühl auf den korbgelochtenen Stühlen Platz. Über uns schnurrten Heizstrahler, die unsere Kopfhäute in kleine Lavaströmen zersetzten. Unsere Füße hingegen machten Bekannschaft mit dem eiskalten Altstadtpflaster. Dieser Heiß-Kalt-Prozess setzte noch mehr Durstmolküle in uns frei.

Dem Laufburschen des südamerikanischen Lokals wurde befehligt, noch vor dem Heranschaffen der Speiskarten etwas anständiges zu Trinken auf die Tische zu stellen. Es sollte das erste Altbier sein, schließlich waren wir in Düsseldorf. Was sich in diesen Moment allerdings nicht so anfühlte. Gefühlsmäßig saßen wir eher in einer aregntinischen Enklave, die vom Rest der Welt gemieden wurde. Wir befanden uns auf den Falklandinseln Düsseldorfs.

Nachdem unser Altbier serviert wurde legte sich unsere innere Zerrissenheit. Wir studierten die knapp gehaltene Menueauswahl und, oha, sahen was wir bereits ahnten: Gepfefferte und gesalzene Preise. Sollte dieses der Grund der geringen Frequentierung dieses Rinderverwertungsbetriebes sein? Aber nun war es zu spät. Der Hunger, unsere Trägheit und das noch dicke Portmonnaie verhinderten den Wechsel in ein anderes Etablissement. Fünf Experten bestellten ein Rib-Eye-Steak. Natürlich Mastercut, 12 oz, 350 Gramm. Nur vom Feinsten. Die beiden anderen orderten Filet. Nach zwei weiteren Altbieren kam das Essen bereits angerauscht. Die Besteller der Rib-Eye-Steaks waren begeistert. So saftig, so zart. Nur die beiden Filetisten schauten bedröpelt drein: Das schöne Stück Fleisch, kleingeschnitten und übergossen von einer braunen Soße. Und da waren ja Pilze drin. Pilze! 

"Hey Kellner, das habe ich nicht bestellt!" brüllte ein Experte in die Küche. Die Junta reagierte sofort. Wenige Augenblicke später kam der Koch mit der Speisekarte um die Ecke. Das schlechte Deutsch der Gauchoa sei hier nur am Rande erwähnt. "Was Sie habe bestellt?" fragte er. "Die 62!" antwortete der pikierte Experte. "Sie gucke hier: Nummero 62, Filetspitzen mit Pfifferlingen!" zeifte der Rinderbaron schnippisch und zugleich oberlehrerhaft auf die Karte. Mit einem despektierlichen Blick auf das Geschriebene und einem unüberhörbaren "Grmmmpff!" nahmen die beiden die Niederlage wie echte Experten hin. "Mein Gott, dann sollten sie aber auch Pilze reinschreiben, dann weiß auch jeder was gemeint ist..." 

 

 

Geschlossen ging es nun in die erste echte Altstadtkneipe, die "Auberge". Damit es nicht wieder lange Gesichter geben würde, wurde hier vorsichtshalber für alle das Gleiche bestellt: Sieben mal Altbier. Einer der Pfifferlingsbeisser fehlte allerdings. Er organisierte sich noch eine Portion Pommes, um den Ärger über das vorangegangene Essen runterzufuttern. Die Kneipe war klasse. Riesige Lautsprecher hingen unter der Decke aus denen beste Rockmusik dröhnte. Die Discjockey-Ecke war vinyl-voluminös. Eine Unmenge von Langspielplatten standen in den Regalen und wurden rege vom DJ aufgelegt. Gerne durfte sich auch etwas gewünscht werden, aber unsere Wünsche wurden allesamt nicht umgesetzt.

Nach einigen Gläsern Altbier ging es weiter in den "Weißen Bären". Dort waren wir bereits auf unseren ersten Düsseldorf-Trip zu Gast und es hatte uns so gut gefallen, daß es nun ganz oben auf unserer Prioritätenliste stand.Es war noch recht leer, so das wir freie Platzwahl hatten. Wir wählten den hinteren Bereich und konnten so auch Gebrauch vom unbesetzten Dartautomaten machen. Neben ein paar weiteren Altbieren gab es hier auch Hochprozentiges. Nachdem der Pfeilemeister erkoren war zogen wir weiter.

Nun waren auch die Straßen der Altstadt beachtlich gefüllt. Aber immer noch leer genug um einen Platz am Dönerstand zu ergattern. Die Pommes hatten den Ärger über das verkorkste Essen noch nicht verdrängt. Wir stürzten uns nun von einem Lokal ins andere und versuchten uns auch in Großraumdiscotheken. Im "Kuhstall" eskalierte unsere Stimmung, gleich mehrer Experten stürmten die Tanzfläche. Kurz vorher hatten die ersten beiden Ausflügler bereits die Notbremse gezogen und sich in den Vorruhestand verabschiedet. Zu fünft wurde nach der kräftezerrenden Tanzeinlage die scheinbar versteckte Hinterwelt der Altstadt entdeckt.

In den schmalen Seitengassen befanden sich noch mehr Kneipen. Hier war alles eine Nummer kleiner, aber auch ein paar Nummern gemütlicher. Und in fast jeder dieser Pinten gabe eine Band die handgemachte Musik spielte. Urgemütlich.

Die Uhr zeigt mittlerweile nach halb zwei und so langsam verliessen uns die Kräfte. Siebzehn Stunden Alkoholmissbrauch machten sich bemerkbar. Und morgen war ja auch noch ein Tourtag. Widerspenstig aber einsichtig ging es Richtung Nachtquartier. Aber nicht ohne noch einen Abstecher in die Pizzeria hinter unseren Hotel zu machen. Schließlich wollten wir es nicht noch einmal erleben, daß jemand im nächtlichen Düsseldorf rumirrenderweise nach einer Dönerbude suchen musste. Mit prall gefüllten Bäuchen ging es dann die letzten Meter zum "Rheinblick" und schnurstraks ins Bett.

Nur in einem Zimmer war an Nachtruhe nicht zu denken. Das Übermaß an zugeführten Nahrungsmitteln forderte ohne Vorwarnung seinen Tribut. Um das schwammige Malheur im Bett zu beseitigen, wurde geschrubbt wie in Villarribo. Unmittelbar danach wurde aus hygenischen Gründen auch noch der Rekord im Nachtdauerduschen gebrochen.

Derweil ging es draußen eher zu wie in Villarbacho: Zwei Taxifahrer kriegten sich unter unseren Fenstern in die Wolle. Laut Ohrenzeugen soll es gar zu Hand- und Autogreiflichkeiten gekommen sein.

Am nächsten Morgen ging es nach einem Abstecher auf dem Düsseldorfer Fischmarkt nun endlich auf den Weg zum Höhepunkt unserer Reise. Doch der Taxifahrer sorgte erstmal für einen großen Schreck. Er behauptete steif und fest schon am Vortag zahlreiche Eishockey-Fans zum Ice-Dome gebracht zu haben und das das Spiel wohl gestern stattgefunden habe. Nach kurzer Zeit musste er allerdings gestehen, das er bereits zwei Doppelschichten hinter sich habe und das eine oder andere eventuell verwechseln würde. Außerdem hätte er Ärger mit seiner Frau und der Polizei. Sein Blick bekam auf einmal so einen Jack-Nicholsen-Shining-Ausdruck. Musste man in Düsseldorf eigentlich Psychopat sein um einen Taxischein zu bekommen? Letztendlich waren wir froh, als wir heile an der Eishalle rausgelassen wurden. Da hier nur mit einer Paycard bezahlt werden konnte verzichteten wir auf weiteren Alkoholkonsum und suchten gleich unsere Plätze auf.

Das Spiel ging auch gleich rasant los. Im ersten Drittel gab es drei Tore, Zeitstrafen ohne Ende und eine zünftige Keilerei, in der ein Gästespieler auch noch von der versammelten Heimbank malträtiert wurde. Und das genau vor unseren Plätzen! Der Ostblock tobte, die Berliner Fans skandierten "Dynamo! Dynamo!" Im zweiten Drittel ging es dann nicht mehr ganz so hart zur Sache. Dennoch führte der Gastgeber nach 40 Minuten überraschend mit 3:2.

Dummerweise mussten wir das Ende des Spiels am Radio verfolgen. Der Zugfahrplan zwang uns zum vorzeitigen Aufbruch von einer wunderbaren ETC on Tour 2012.

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